Seryoga – Russlands Nr. 1

.::tng.visions: Jo Seryoga alles klar bei dir?

Seryoga: Klar Danke.

.::tng.visions: Erzähl uns was wie du zur HipHop Musik gekommen bist und über deine Karriere!

Seryoga: Ich bin seit ca. 10 Jahren im Game. Ich fange also erst an, falls du verstehst was ich meine. Ganz am Anfang war es nur n Hobby, ich mochte Rap als Lifestyle generell und irgendwann habe ich festgestellt, das ich all die Emotionen, die mich damals wie jetzt überfuellten, in Reime packen kann. Ich war 15 und es waren die Zeiten des “Wilden Ostens” – “Wild East”. Die Zustände, die nach Perestrojka auf uns kamen, konnte man nur mit einem Wort ausdrücken – Bürgerkrieg. Chaos und Gesetzlosigkeit fiel über Russland. Es war Zeit von ueblen Strassengangs und anarchie des Staates, in der ich anfing zu reimen. Mein Rap war immer Strasse, denn ich sah nichts anderes. Draussen fand ich genuegend Sachen, die mich zum rappen inspirierten. Gangs, Nutten, käufliche Bullen, Armut. Ich rappte, weil nur so konnte ich meine Emotionen loswerden – Schmerz, Frust, Wut, Liebe und Hass. Step by Step wurden meine Skills besser und meine Erfahrungen als mc – groesser. Erfolg kam aber erst als ich 28 war. Das ist meine Story.

.::tng.visions: Warst du schon oft in Deutschland? Wie unterscheiden sich die Länder, die Musik und die Menschen?

Seryoga: Wir sprechen zwar diverse Sprachen, aber uns gehen selbe Sachen was an. Wir Menschen wollen alle letzendlich doch nur dass es unseren Familien gut geht. Und ihr habt hier einfach ein besseres Bier, dass muss ich auch noch dazu sagen.

.::tng.visions: Ja? Ich find Bier dort besser, hier trink ich nur Henny. Mit welcher Musik bist du aufgewachsen und welche Alben magst du jetzt? Hörst du viel deutschen und US HipHop?

Seryoga: Ich bin in einem kulturellen Kontext aufgewachsen, den durch Rock-Music stark gepraegt war. Und zwar durch Russian Rockmusic. Man legte eben sehr viel wert auf Texte bei uns. Unsere Rockstars waren so etwas wie Prophete und Messias, weisst du. Rockmucke hat eine gewaltige energie in sich, das muss man sagen. Als ich dann irgendwann Public Enemy hoerte, dachte nur – mann, wie cool ist das denn. Siehst du, es geht auch anders. Klar war es Ami-Rap, was ich gerne hoerte am anfang. Deutscher Rap kam auch wesentlich spaeter. Jetzt hoere ich beides. Es macht fuer mich keinen grossen unterschied mehr, ob es n Ami ist oder ein Chinese ist, der da rappt. Hauptsache, der Rap hat was fuer mich. Es ist immer noch ein Mysterium fuer mich.

.::tng.visions: Wie war es mit Azad ein Video zu drehen? Was war los in Kiev?

Seryoga: Was war in Kiev los? Azad kam, sah und siegte. Er stellte sich vor Mic und rappte los. Und genauso cool stellte er sich dann vor die Camera. Er ist n profi, dieser Mann. Es war mir ein Vergnuegen mit ihm zusammen zu arbeiten.

.::tng.visions: Azad war verwundert deine Bodyguards mit Sonnenbrillen und Strechlimos zu sehen, er meinte ihm kam es vor wie in einem Film. Ist sowas normal in Russland?

Seryoga: Ich bin jetzt wahrscheinlich der meistgeliebte und meistgehasste Rapper Russlands. Alles sieht danach aus. Ich kann es nicht mehr aendern. Also tu ich das, was ich tun muss. Ich muss mich und meine Naechsten verteidigen koennen, wenn es darauf ankommt. Azad geniesst als mein Gast alles, was meine naechsten sonst auch bei mir geniessen: Schutz und Brot.

.::tng.visions: Wie sieht bei dir ein normaler Tag aus?

Seryoga: Ich arbeite viel jeden tag. Vielleicht sogar zuviel. Es kommt mir manchmal vor, als wuerde ich sogar im schlaf denken. Es faellt mir schwer um- und abzuschalten. Aber das lerne ich auch noch. Hauptsache – ich mag meinen job. Ich tue es gerne.

.::tng.visions: Du hast über eine Million Alben verkauft, sämtliche MTV Russian Music Awards gewonnen, aber auf was bist du am meisten Stolz?

Seryoga: Noch habe ich nichts getan worauf ich stolz sein koennte. Ich habe nur ein paar gute Songs aufgenommen in meinem Leben. Sollte man darauf stolz sein?

.::tng.visions: Wie mans sieht. Hattest du jemals einen richtig Emotionallen Moment in deiner Karriere?

Seryoga: Tja, was sol lich sagen? Ein Mensch erinnert sich fast immer nur an seinen Schmerz so richtig. Momente der Freude gehen in seinen Erinnerungen schnell verloren, denn das Glueck kann nur einen kurzen Augenblik andauern. Der Schmerz aber nicht so. Der begleitet einen bis an den letzten Tag. Was mir immer wieder weh tut – wenn von mir Leute gehen, die ich liebe. Und solche Momente gab es zu oft in meinem Leben.

.::tng.visions: Und was willst du in deiner Karriere noch erreichen?

Seryoga: Ich traume davon, irgenwann mit meiner Familie ausserhalb vom Showbiz in Frieden zu leben und ein Hiphopmagazin herauszubringen.

.::tng.visions: Wie ist das Verhältniss in Russland zu Gangsterrap? In Deutschland versuchen Poltiker die Alben von Künstlern zu verbieten, gibt es in Russland sowas wie den Index?

Seryoga: Was ist denn schon Gangsta-Rap? Ich finde es so laecherlich, wenn Jungs darueber abrappen, was sie nie probiert haben. Das ist doch alles eine grosse Luege. Ich finde voll ok, wenn eine solche Luege verboten wird. Was mein Rap angeht – er ist da verboten, wo ich herkomme, in Weissrussland. Aber weisst du was? Index hat mir gut getan, denn kein Kuenstler hat bis jetzt so viele platten da verkauft.

.::tng.visions: Ok kommen wir zum Brainstorming.

St. Petersburg

Seryoga: Wuerde da leben

Playstation

Seryoga: sorry, no time

Seryoga

Seryoga: so heisst bei uns jeder dritte

McDonalds

Seryoga: ein Royal TS bitte

Tupac

Seryoga: ohne ihn gaebe es keinen Hip-Hop fuer mich

Porno

Seryoga: Sammlung anlegen

Internet

Seryoga: Power und Guerilla-Krieg

Aggro Berlin

Seryoga: Ich habe auch meinen Block

.::tng.visions: Ok danke für das Interview und werd noch was an die Fans da draußen los!

Seryoga: Habt Respekt vor einander. Wir haben nur ein Game fuer uns alle!

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